Galerie Max Hetzler celebrates 40 years of VfB Stuttgart

Metamorphic images from the world of soccer, inspired by well-known works by Jeff Koons, Albert Oehlen, Mona Hatoum and others artists.

Series of 36 silkscreen prints,
edition of 11.

Available at Galerie Max Hetzler.

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Text von Marc Brost über die ganz besondere Fußballkunst seines Lieblingsvereins VfB Stuttgart
(ZEIT Magazin)

Die Kunst ist auf’m Platz

Einen Fußballverein kann man sich nicht einfach so aussuchen wie eine Tafel Schokolade im Supermarkt. Ein Fußballverein wird einem gegeben: durch den Vater, der einen ins Stadion mitnahm. Durch die Stadt, in der man aufwuchs. Durch ein Trikot, das man geschenkt bekam; einen Spieler, den man bewunderte; ein Poster, das im Kinderzimmer hing. Manchmal ist es ein großer Sieg, nach dem man nie wieder vergisst, wo man in jenem Moment war. Und manchmal eine furchtbare Niederlage.

Mein Verein ist der VfB, und wenn ich die Bilder von Christoph Niemann sehe, dann weiß ich sofort wieder, warum: Da waren die Förster-Brüder, Karlheinz und Bernd, die auf einem berühmten Foto ganz unschuldig lächelnd auf einem Fußball saßen – und die im Spiel wirklich alles taten, um an den Ball zu kommen. Da war die Meistermannschaft von 1984, die schon damals den Fußball des Jahres 2000 spielte und deren Trainer Helmut Benthaus sogar als Bundestrainer im Gespräch war. Da waren Karl Allgöwer und Ásgeir Sigurvinsson. Und da war Helmut Roleder, der Torhüter, der Kontaktlinsen trug und der einmal auf der Suche nach einer verlorenen Linse auf allen vieren durch seinen Strafraum krabbelte.

Wenn ich an meinen VfB denke, dann an den letzten Spieltag der Saison 1991/92, als Guido Buchwald uns zum Titel köpfte. An den Fallrückzieher von Jürgen Klinsmann 1987 im Spiel gegen Bayern, das spätere “Tor des Jahres”. Ich denke an das “magische Dreieck” aus Giovane Elber, Fredi Bobic und Krassimir Balakov, an den Pokalsieg von 1997 und daran, dass Jogi Löw mit uns seinen ersten Titel holte. Ich denke daran, wie wir Manchester United in der Champions League mit 2 : 1 aus dem Stadion schossen, unter Felix Magath war das, 2003, und an die Meisterschaft 2007, als ich selbst von Leuten, die den VfB überhaupt nicht leiden konnten, darauf angesprochen wurde, was für einen wunderschönen Fußball diese Mannschaft spielte. Ich denke daran, dass wir in der Ewigen Tabelle der Bundesliga Platz vier belegen – vor Dortmund und weit vor Schalke.

Und dann fällt mir wieder ein, dass auf jeden Erfolg ein böser Absturz folgte. Dass ich fluchte, weinte, litt. Und dass ich jedes Mal zu Saisonbeginn, wenn ich das Kicker- Sonderheft durchblättere, viele Spieler finde, die in der VfB-Jugend waren und woanders Karriere machten.

Man kann sich seinen Fußballverein nicht aussuchen, er wird einem gegeben, und ja, in einer ganz dunklen Stunde habe ich auch mal damit gehadert, dass mein Vater mich als Siebenjährigen ins Neckarstadion mitnahm, zum ersten VfB-Spiel meines Lebens. Aber wenn ich heute die Bilder von Christoph Niemann betrachte, dann weiß ich eben auch: So, wie es ist, ist alles gut.

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